Christian HartardArbeitenForschung, CVstudio@hartard.com en
                  

Mein künstlerischer Ansatz verknüpft eine am Minimalismus orientierte Formensprache mit recherchebasierten Referenzen auf biographische, politische oder ortsspezifische Kontexte. Konzeptuelle Präzision verbindet sich mit einer Sensibilität für die emotionale, sinnliche und metaphorische Kraft von Materialien und skulpturalen Gesten. Aktuell beschäftigen mich zunehmend ästhetische Strategien, die Performativität vom Objekt auf die Rezipienten verlagern. Künstlerisch wie wissenschaftlich arbeite ich an ,performativen Objektenʻ: skulpturalen Elementen, die dann in einen kollaborativen Prozess entlassen werden.

Lebt und arbeitet, Portfolio (PDF)
icaros.org, Performative Objekte, Artistic-Research-Projekt




Less Work for Mother, Kat.Museum Villa Stuck München, Distanz Berlin 2018 (PDF)
Empire, Kat. Weltraum München, 2016 (PDF)
#1, Kat. Galerie der Künstler München, 2013 (PDF)
Kunstautonomien. Luhmann und BourdieuSilke Schreiber, München 2010 (PDF)

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Ich bin Bildhauer, aber Bilder interessieren mich nicht besonders. Zumindest, wenn mit dem Begriff des Bildes ein Fenster gemeint sein soll, durch das man in die Welt hinaussieht. Oder, noch schlimmer: durch das der Künstler den Kopf hereinsteckt, um uns mitzuteilen, wie die Welt seiner Meinung nach beschaffen sein sollte. Eine ‚Bildhauerei‘ jenseits des Bildes erzeugt neue Ebenen der Sinnstiftung. Die Dinge selbst rücken ins Zentrum, ihre direkte körperliche Gegenwart, und mit ihnen Raum, Atmosphäre, Leiblichkeit, soziales Handeln.

In meiner eigenen künstlerischen Arbeit reagiere ich auf diese Voraussetzungen mit der Herstellung ästhetischer Situationen, in denen die Werke – durch ihre Präsenz, ihre Medialität oder ihre Prozessualität – als konkretes Gegenüber erfahrbar sind. Sie halten kleine Ereignisse fest, Momente, die eigentlich flüchtig sind oder unbeständig, die sonst am Rand unserer Wahrnehmung mitlaufen, kurz aufblitzen und sofort wieder abtauchen: Fensterglas zittert, Beton heizt sich auf, Kondenswasser gefriert, Wachs wird geschmolzen, Jod fließt durch ein Röhrensystem, ein Silbervorhang steht unter Strom. Indem ich durch solche skulpturalen Gesten Performativität gewissermaßen in die Objekte selbst hineinnehme, erweitern sie sich um eine zeitliche Dimension und adressieren die Leiblichkeit von Betrachterinnen oder Betrachtern.

Minimalistische Positionen sind für mich dabei wichtige Bezugspunkte – also die Frage: Wie viel kann ich wegnehmen, damit das Notwendige übrigbleibt? Das ist eigentlich sehr bildhauerisch gedacht. Formale Zurückhaltung ist aber kein Mittel, um hermetische, absolute Objekte zu schaffen. Sie ist zuallererst eine Möglichkeit, die Gewichte zwischen dem Sichtbaren und dem Nichtsichtbaren anders zu verteilen: das Visuelle herunterzudimmen und den Blick auf andere Ebenen der ästhetischer Wahrnehmung zu lenken. Eine davon ist die Materialität der Werke, die zugleich deren minimalistische Strenge aufbricht und die reine Selbstreferentialität unterläuft. Daneben spielen historische, biographische oder politische Bezüge für mich eine wichtige Rolle. Die Projekte entfalten sich immer aus einem konzeptuellen Kern und vor dem Hintergrund gründlicher Recherche: als einem Widerstand, an dem die künstlerische Form Fuß fassen kann.

Aktuell beschäftigen mich zunehmend ästhetische Strategien, die Performativität vom Objekt auf die Rezipienten verlagern.
Künstlerisch wie wissenschaftlich arbeite ich an ,performativen Objektenʻ: skulpturalen Elementen, die in einen kollaborativen Prozess entlassen werden. Ich entwickle modulare Objekte, die weder eine definierte Funktion besitzen noch eine feste Anordnung bilden, sondern getragen, benutzt, bewegt, neu arrangiert, umgestaltet, erweitert oder bei Verschleiß ersetzt werden können. Die Elemente können ohne Einschränkung an anderen Orten nachgebaut, verbreitet oder modifiziert werden. Der kalkulierte Kontrollverlust des Künstlers oder der Künstlerin zielt auf eine Emanzipierung der ‚Betrachter‘: er macht sie zu Komplizen, die im Einsatz des eigenen ästhetischen Potentials sich selbst als Urheber von Sinn erleben. Performative Objekte verflüssigen das künstlerische Werk, bieten aber dennoch eine dezidiert bildhauerische Perspektive, die darauf verzichtet, das Werk vollständig in Kommunikation oder Handlung aufzulösen. Objekte haben ihre Berechtigung als Reflexionsmedien, die ästhetische Operationen speichern und sie dem Diskurs und der Kritik offenhalten – und so nicht nur Ansatzpunkte für kritische Thematisierungen schaffen, sondern selbst politische Formen darstellen (s.a. den Menüpunkt ,Forschungʻ und die Projektwebsite  icaros.org).

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Kontakt und Impressum

Christian Hartard, Donnersbergerstraße 43, München
, studio@hartard.com