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INTRA

Stahl, Wasser, Pumpe, Fundament, 100 x 100 x 300 cm | Kloster Fürstenfeld
Steel, water, pump, fundament, 100 x 100 x 300 cm | Fürstenfeld Abbey

Entwurf im Rahmen des Wettbewerbs STADTKUNSTLAND der Stadt Fürstenfeldbruck, 1. Preis | Fertigstellung im November 2013

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Intra ist ein in sich gekehrter Brunnen. Aus der Entfernung wirkt die schwarze Stele wie ein stiller, undurchdringlicher Monolith. Erst im Näherkommen bemerkt man, dass der vermeintlich tote Körper ein lebendiges Wesen ist: denn aus seinem Bauch dringt das geheimnisvolle Rauschen von vier Wasserfällen, die unsichtbar in sein Inneres hinabstürzen. Wo heute das Kunstwerk steht, kam einst ein künstlicher, unter der Klostermühle und einer Gartenterrasse hindurchfließender Amperkanal ans Tageslicht. Wie in allen Zisterzienserabteien, bildete das Wasser auch in Fürstenfeld das Rückgrat der klösterlichen Wirtschaftstätigkeit. In den klostereigenen Betrieben wie der Brauerei, der Pfisterei oder der Schmiede wurde seine Kraft genutzt. Die Mönche verstanden es, sumpfiges Land durch Grabensysteme urbar zu machen, Bäche zu regulieren und Teiche für die Fischzucht aufzustauen. In der Barockzeit dienten Kanäle, Bassins und Springbrunnen dann als dekorative Elemente der Gartenanlagen. Spuren dieser hochstehenden Wassertechnik findet man in Fürstenfeld bis heute. Intra nimmt bezug auf diese Geschichte, versinnbildlicht aber auch die Spiritualität des früheren Klosterlebens: kontemplativ nach innen gerichtet und zugleich in die Welt hinauswirkend.

Intra, situated within the wide courtyard of the former Cistercian monastery, is an inverted fountain: a black steel cube that emits the mysterious sound of four waterfalls invisibly cascading inside of it.

„DORT PFLANZT, WO DIE WASSER FLIESSEN.“ | BERNHARD VON CLAIRVAUX 

Im 11. Jahrhundert war der Benediktinerorden durch Spenden, Stiftungen und Erbschaften reich geworden; das mönchische Armutsgebot trat zunehmend hinter die sehr weltliche Prachtentfaltung der Klöster zurück. Vor diesem Hintergrund verstanden sich die Zisterzienser als reformatorische Gegenbewegung, die die ursprünglichen Intentionen der Benediktsregel wieder zur Geltung zu bringen hoffte. Ein Dasein in Weltabgewandtheit und Bescheidenheit, getragen von der eigenen Hände Arbeit war für die neue Gemeinschaft die Grundlage geistlicher Versenkung. Bis heute sind die Zisterzienser ein vorwiegend kontemplativer Orden; für seine Mitglieder bedeutet dies ein Leben in ständiger Klausur, geprägt von einer besonderen Innerlichkeit, die sich sowohl im Chorgebet wie in der privaten, betrachtenden Andacht niederschlägt. Dem Ideal des einfachen, in sich gekehrten Lebens entspricht nach außen die architektonische Strenge und Klarheit zumindest der frühen Zisterzienserklöster. Auch die charakteristische Lage der meisten Ordensniederlassungen ergibt sich hieraus: in der Einsamkeit bewaldeter Täler, weit entfernt von menschlichem Verkehr und fernab der großen Städte und Handelsrouten, sollte sich die mönchische Existenz auf die stille Suche nach Gott konzentrieren. Gleichwohl war diese meditative Abkehr vom Alltag nicht als selbstgenügsame Ablehnung der irdischen Welt zu verstehen, sondern als ein rettend und heilend in die Welt zurückstrahlendes Beispiel der Gottgefälligkeit.

Ein weiteres Merkmal aller zisterziensischen Gründungen war die Autarkie des klösterlichen Wirtschaftslebens. Dem Grundsatz der Eigenarbeit folgend verzichtete der Orden – wenigstens in seiner Anfangszeit – weitgehend auf eine Finanzierung durch bäuerliche Pachten und Abgaben; stattdessen bemühte man sich, den täglichen Bedarf an Lebensmitteln und Gebrauchsgütern durch klostereigene Betriebe zu decken. So wurden die Zisterzienser durch ihre Leistungen im Bauhandwerk, im Bergbau-, Hütten- und Salinenwesen, in der Glas-, Tuch- und Lederherstellung, im Färber- und Schmiedehandwerk und in der Bäcker- und Braukunst zu einer treibenden Kraft der technischen Revolution des Mittelalters. Das Rückgrat dieser klösterlichen Ökonomie bildete das Wasser; entsprechend der zisterziensischen Tradition, sich an Flussläufen anzusiedeln, war es stets reichlich vorhanden und ermöglichte eine hochstehende Wasserwirtschaft, für die der Orden berühmt war. Die Mönche verstanden es, sumpfiges Land durch Graben- und Kanalsysteme urbar zu machen, Bäche zu regulieren und die Wasserkraft als Energieträger für die vielfältigen handwerklichen Einrichtungen des Klosters zu nutzen. Da Fisch als Hauptbestandteil der zisterziensischen Küche galt, gehören auch künstlich aufgestaute Teiche zum Erscheinungsbild vieler Zisterzienserabteien. Von der Bedeutung, die man dem Wasser nicht nur in praktischer, sondern auch in spiritueller Hinsicht als der Quelle des Lebens zumaß, zeugt das Brunnenhaus, das sich in vielen Zisterzienserklöstern als kapellenartiger Anbau des Kreuzgangs erhalten hat. Es diente nicht nur der Trinkwasserversorgung und als Waschplatz, sondern war auch ein Symbol für den Brunnen des Heils (Joh. 4,14). Das Plätschern des Wassers, das in der Stille der Klausur überall zu hören war, erinnerte an die Gnade der Taufe, ermahnte zur Reinheit des Glaubens und war Bezugspunkt der mönchischen Kontemplation.

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PRESSE

Die Stele ist eingeweiht. Fürstenfeldbrucker Tagblatt (Merkur Online), 5.12.2013
Die Stele Intra schmückt Fürstenfeld. Fürstenfeldbrucker Tagblatt (Merkur Online), 28.11.2013
Stele hat ihren Platz gefunden. Fürstenfeldbrucker Tagblatt (Merkur Online), 20.6.2013
Entscheidung in der Stelen-Frage. Fürstenfeldbrucker Tagblatt (Merkur Online), 18.6.2013
Das Kreuz mit der Kunst. Fürstenfeldbrucker Tagblatt (Merkur Online), 24.5.2013
Marion Bischof: Stahlklotz im Kloster: Kunst oder Quatsch?
. Fürstenfeldbrucker Tagblatt (Merkur Online), 21.5.2013
Wohin mit dem Kunstwerk?
Fürstenfeldbrucker Tagblatt (Merkur Online), 10.5.2013
Peter Schelling: Störende Stele. Süddeutsche Zeitung, 26.4.2013
Peter Schelling: Kleinliche Debatte. Süddeutsche Zeitung, 26.4.2013
Peter Bierl: Unsichtbarer Brunnen
. Süddeutsche Zeitung, 13./14.4.2013
Drei Sieger stehen fest. Fürstenfeldbrucker Tagblatt (Merkur Online), 12.4.2013